Hamburg Crash Fest


Artists: blink-182, Frank Turner & The Sleeping Souls, Terrorgruppe, Zebrahead, The Flatliners

Ort: Trabrennbahn, Hamburg Bahrenfeld

Datum: 20.08.2014


The Flatliners: Zugegeben, es ist irgendwie ungewohnt, The Flatliners auf einer so großen Bühne zu sehen. Die vier Kanadier lassen sich aber davon nichts anmerken und spielen ein großartiges Set aus Songs der letzten drei Alben. Vor allem Sing-A-Longs wie „Monumental“ oder „Eulogy“ begeistern das Publikum, das den schlammigen Boden schon einmal auf Konzerttauglichkeit testet. Auf Bands von Fat Mikes Label Fat Wreck Chords ist in Sachen Punkrock nun mal seit vielen Jahren verlass und The Flatliners sind da keine Ausnahme.

Zebrahead: Wer hat eigentlich die Hunde losgelassen? Zebrahead sind bekanntlich für jeden Spaß zu haben und sind sich daher auch nicht zu Schade um die Baha Men zu covern. Und weil man gerade dabei ist, schwenkt man im Refrain kurzerhand auch noch auf „Girlfriend“ von Avril Lavigne um. Der Spaß kommt bei den Pop-Punks bekanntlich selten zu kurz und wird durchgängig ins unterhaltsame Set gemischt. Unterbrechungen gibt es nur durch die vielen Ohrwurm-tauglichen Songs, die das Publikum voller Inbrunst mitsingt. Kein Wunder, dass blink-182 Zebrahead als aktuellen Tour-Support mit im Gepäck hat.

Terrorgruppe: Wie soll man noch einen drauf legen, wenn Zebrahead doch gerade schon mit tanzenden Menschen in Lederhosen das Publikum zum Jolen gebracht hat? Die Lösung ist einfach: Pyrotechnik. Aber die Terrorgruppe wäre nicht sie selbst, wenn man jetzt einfach mit Wunderkerzen auf die Bühne kommen würde. Stattdessen zieht MC Motherfucker blank und bietet mit einem Funkenregen aus seinem Allerwertesten eine der besten Show-Einlagen des Tages. Sonst macht die Band das, was sie am Besten kann: das Publikum zum legendären Blutpogo auffordern und natürlich all die Lieder spielen, die das Publikum schon fast vergessen hatte. Grenzdebil und kein bisschen reifer geworden: die Terrorgruppe ist zurück und niveauloser als vorher – daran kann auch der mittlerweile einsetzende Regen nichts ändern!

Frank Turner & The Sleeping Souls: Rock’n’Roll! Frank Turner und seine Begleitband, The Sleeping Souls, stürmen auf die Bühne und sind gekommen um dem Regen den Kampf anzusagen. Dies ist zwar nur teilweise erfolgreich, aber immerhin bietet der Londoner eine kurzweilige Abwechslung zum dunkelgrauen Hamburger Himmel. Die Stadt selbst kennt Frank Turner mittlerweile mehr als gut und beweist das, als er zusammen mit seinem Gitarristen all die Stätten aufzählt, an denen er hier schon gespielt hat. Spätestens nach dem heutigen Set weiß auch jeder Anwesende warum: der Mann und seine Band sind großartig!

blink-182: „What’s My Age Again?“. Kann man mit Ende dreißig noch über Fäkalhumor singen? Blink-182 ist das ziemlich egal – sie machen es einfach. Doch das Set der Band besteht natürlich nicht nur aus Stücken aus der „Enema Of The State“-Phase. Songs, wie „Easy Target“ oder „Stay Together For The Kids“ behandeln weit aus ernstere Themen und sind zugegeben ein wenig besser gealtert als der Großteil der anderen Songs. Besonders beeindruckend ist die Live-Version von „All Of This“, in der Mark Hoppus gekonnt den Part übernimmt, den Robert Smith auf der Studioversion singt.
Um das Fäkale nicht zu vernachlässigen, erscheinen die drei zur Zugabe unter einem riesigen brennenden „FUCK“ hinter ihnen und spielen mit „Violence“ (inkl. Einem wahnsinnigen Drumsolo von Travis Barker als Einleitung), „Dammit“ und „Family Reunion“ noch schnell drei der Songs, ohne die das Publikum die Band wahrscheinlich nicht hätten gehen lassen.

Highlight: „If you’re gonna scream, scream with me!“ – mit einem gelungen Cover des Misfits-Songs „Hybrid Moments“ beweisen blink-182, dass sie ihre musikalischen Wurzeln nicht vergessen haben und schließen gleichzeitig auch den Kreis zu den vielfältigen Punkrock-Ausprägungen, die der Hamburger Kultursommer heute präsentiert hat.