Anti-Flag – American Spring


 

Mit einem nahezu* ausnahmslosen Fokus auf politische Themen ist es erstaunlich, dass es Anti-Flag nach wie vor gelingt mehr als genug Material für neue Alben zusammen zu tragen. Bei einem genaueren Blick auf die verschiedenen Agendas, die die Band aus Pittsburgh auf ihrem neuem Werk “American Spring” verarbeitet, fällt aber schnell auf, dass leider es einfach zu viel Unsinn auf der Welt gibt, um hier eine Schreibblockade auszulösen.

Auffällig ist vor allem die gelungene Produktion, mit der Kenny Carkeet (AWOLNATION) und Jim Kaufman viele Details aus den 14 Songs herauskitzeln. Durch den stetigen Wechsel zwischen Justin und #2s Gesangsparts bekommt das Album aber natürlich auch die gewohnte Dynamik, die man von Anti-Flag erwartet.

“Brandenburg Gate” ist ein Song, der beispielhaft für die Entwicklung der Band steht. Im Vergleich zum Frühwerk von Anti-Flag gibt es eine enorme Steigerung in der Qualität – ohne jedoch die Ecken und Kanten außen vor zu lassen, die den Sound so spannend macht. Die Mischung aus politischem Song und persönlichen Erfahrungen (#2 verarbeitet das Ende einer langen Beziehung, welches auch irgendwo auf sein Wirken in der Band zurückführbar ist) gibt dem Stück mehrere Ebenen und dadurch einen besonderen Charakter. Der Gastbeitrag von Rancids Tim Armstrong wirkt wie das Zuckerstückchen auf einem riesigen Berg Zucker: eigentlich unnötig, aber wer kann, der kann nun mal.
Mit Tom Morello von Rage Against The Machine hat sich noch ein weiterer Gast auf dem Album verewigt. Der Nightwatchman steuert seinen patentierten Gitarrensound auf dem Stück “Without End” bei, was wohl vor allem als nette Geste unter Freunden zu werten ist, sich aber auch gut ins Stück einfügt.

Zuletzt noch erwähnenswert: Anti-Flag haben sich bei der Gestaltung des Booklets mal wieder sehr viel Mühe gegeben und versorgen den interessierten Hörer gleich mit Essays und weiterführenden Links zu den jeweilig behandelten Themen und schlagen dadurch eine Brücke zwischen dem Rezipieren und dem Handeln.

Mit “American Spring” schaffen es Anti-Flag erneut, zu begeistern. Statt einfach nur abzuliefern, pusht sich die Band – mal wieder – an neue Grenzen, die beim nächsten Album sicherlich schon wieder mit Leichtigkeit überwunden werden.

Spinefarm Records / Vö: 22.05.2015

*Die Liste der Anti-Flag Songs ohne klare politische Aussage ist sehr kurz, da ein Großteil der Band andere Themen in Nebenprojekten auslebt. Dennoch gibt es mit Songs wie “Spaz’s House Destruction Party”, “Skate” oder “This Is The First Night” immer wieder kleine Ausnahmen.


Live gibt es “American Spring” nach einer Reihe von Festivalauftritten im Sommer hier zu sehen:

27.10. NL – Amsterdam – Melkweg OZ
28.10. DE – Munich – Technikum
30.10. CZ – Prague – Lucerna Music Bar
03.11. CH – Bulle – Ebullition
05.11. DE – Stuttgart – Wizeman
06.11. DE – Dortmund – FZW
07.11. DE – Hannover – Faust
09.11. DE – Hamburg – Fabrik
10.11. DE- Berlin – C-Club
11.11. DE – Köln – Stollwerk
13.11. CH – Lyss – Kufa
14.11. CH – Winterthur – Gaswerk

 

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